Jubiläum in mehrfacher Hinsicht – 30 Jahre Kalkungversuch, 60 Jahre Feldversuch und der 30. Feldtag
30. Feldtag in Cunnersdorf
Am 3. Juni 2026 steht in Cunnersdorf (in Sachsen bei Leipzig) ein ganz besonderes Event an: Die landwirtschaftliche Anwendungsforschung der SKW Piesteritz feiert ein Doppeljubiläum. Auf den rund 60 ha umfassenden Versuchsfeldern werden 60 Jahre landwirtschaftliche Anwendungsforschung und gleichzeitig der 30. Cunnersdorfer Feldtag zelebriert.
Die Versuchsstation in Cunnersdorf hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem der wichtigsten, praxisnahen Treffpunkte für Landwirte, Berater und Agrarwissenschaftler in Deutschland entwickelt. Düngeversuche und Effiziente Lösungen für die Praxis stehen im Vordergrund. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt auch Zukunftstechnologien wie moderne Sensortechniken, präzise Applikationsverfahren sowie Drohnen- und Satellitendaten zur teilflächenspezifischen Düngung integriert.
- 60 Erntejahre zur Wirkung mineralischer und organischer Düngung, Nährstoffeffizienz und Bodengesundheit.
Dauerversuch zur Kalkung
Unter anderem läuft an dem Standort ein sehr bekannter Kalkformen-Dauerversuch, der bereits seit 1996 durchgeführt wird. Untersucht wird, wie sich verschiedene Kalkformen langfristig auswirken. Ziel ist es, den Boden im optimalen pH-Bereich zu halten – also in dem Bereich, in dem Pflanzen am besten wachsen können. Der Versuch wird mit einer klassischen Fruchtfolge (z. B. Zuckerrübe – Sommergerste – Ackerbohne – Winterweizen – Wintergerste) betrieben.
Kalken gehört seit langem zur guten landwirtschaftlichen Praxis: Ein Boden, der optimal mit Kalk versorgt ist, kann Nährstoffe besser aufnehmen und speichern. Das hilft den Pflanzen zu wachsen und sorgt dafür, dass Dünger effizient genutzt wird.
Kalk gleicht zudem die natürliche Versauerung des Bodens aus. Dadurch verbessert sich die Bodenstruktur, das Bodenleben wird aktiver und Nährstoffe stehen den Pflanzen besser zur Verfügung. Gleichzeitig werden schädliche Stoffe im Boden weniger aufgenommen. Das Ergebnis: gesündere Pflanzen und stabilere Erträge.
Die Ergebnisse der letzten zehn Jahre zeigen klar: Flächen, die regelmäßig gekalkt wurden, bringen fast immer höhere Erträge als Flächen ohne Kalk. Im Durchschnitt liegt der Vorteil bei bis zu 7 % – in einzelnen Jahren sogar deutlich darüber.
Keine negativen Begleiteffekte durch Magnesium: Ein in der landwirtschaftlichen Praxis oft diskutierter „Magnesium-Mythos“ wurde widerlegt: Negative Auswirkungen durch die infolge der Düngung gestiegenen Magnesiumgehalte im Boden konnten im Versuch nicht festgestellt werden. Im Gegenteil: Sie haben sogar zu besseren Erträgen beigetragen. Auch Bodenuntersuchungen bestätigen die Ergebnisse: Besonders bei magnesiumhaltigem Kalk bleibt mehr Magnesium im Boden verfügbar – ein zusätzlicher Vorteil für das Pflanzenwachstum.
Schleichender Verfall ohne Kalk: Während die gekalkten Varianten im optimalen Bereich gehalten werden, wurden die Kontrollparzellen seit 1996 nicht gekalkt. Diese Parzellen weisen nur noch einen pH-Wert von 5,8 (pH-Klasse B = Unterversorgung) auf. Der Versuch verdeutlicht damit, dass Kalkmangelerscheinungen schleichend auftreten.
Nährstoffeffizienz & Düngemittelpreise: Neben dem Ertrag spielt auch die Nutzung des Stickstoffdüngers eine große Rolle. Hier zeigt sich ebenfalls ein Vorteil der Kalkung: Pflanzen können den Stickstoff besser aufnehmen. Das bedeutet, dass mehr vom Dünger tatsächlich in der Pflanze ankommt und weniger verloren geht. Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch gut für die Umwelt.
Kalk ist im Vergleich zu anderen Mineraldüngern günstig. Da ein erheblicher Teil des Düngers auf sauren Böden wirkungslos verpufft, liefert der Versuch in Cunnersdorf das stärkste Argument für die Kalkung. In Zeiten unvorhersehbarer und hoher Preise für Stickstoff- und Phosphordünger ist die Kalkung der effektivste Hebel, um teure Mineraldünger einzusparen.
Die über Jahrzehnte gewonnenen Erkenntnisse zeigen zusammengefasst:
- Mit Kalk wachsen die Pflanzen meist besser als ohne Kalk
- Je nach Jahr und Kultur sind Mehrerträge von wenigen Prozent bis zu 20 % möglich
- Besonders gute Ergebnisse zeigen Kalkarten mit Magnesium – sie liefern oft die höchsten Erträge
- Auch andere Kalkarten wirken positiv
- Ohne Kalk bleiben die Erträge dauerhaft auf niedrigerem Niveau
- Die Unterschiede schwanken je nach Wetter – der positive Effekt bleibt aber bestehen
Fazit:
Kalken ist eine einfache, aber sehr wirksame Maßnahme. Wer seinen Boden regelmäßig und passend zum Standort kalkt, sorgt dafür, dass Pflanzen Nährstoffe besser nutzen können – und der Dünger wird effizienter gebraucht. Angesichts hoher Fixkosten und volatiler Düngerpreise ist Kalk historisch gesehen „so wertvoll wie noch nie“, da er mit minimalem finanziellem Einsatz den gesamten betrieblichen Gewinn absichert.
Link zum SKW-Feldtag: https://www.duengerevents.de/?gad_source=1&gad_campaignid=1815817855#home
Hier der Link zur Downloar-Datei:




